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Digital Transformation, Research • 7 Minuten Lesedauer

Die agile Digitalagentur: Transformation in der Praxis

Martin Roxlau | 29-01-2020

„The Art of Doing Twice the Work in Half the Time“ - das verspricht Jeff Sutherland, einer der Scrum-Päpste, in seinem gleichlautenden Buch. Welch ein Versprechen gerade für Agenturen, die es gewohnt sind, dauern am Limit zu arbeiten! Die Pioniere der Agenturbranche setzen deshalb schon seit einigen Jahren auf Scrum und Kanban und mittlerweile ist die agile Transformation im Alltag der Agenturen angekommen.

Im ersten Teil unserer Serie hatten wir erläutert, warum traditionelles Projektmanagement auch in vielen Digitalagenturen an seine Grenzen stößt. Aber was ändert sich durch die Einführung agiler Methoden genau? Machen Sprints, tägliche Meetings vor einem gemeinsamen Whiteboard und viele bunte Zettel eine Agentur schon agil?

12 Grundprinzipien agiler Arbeit

Unabhängig davon, welche agile Projektmanagement-Methode ausgewählt wird, baut Agilität immer auf ähnlichen Werten und Leitlinien auf. Als Orientierung und Maßstab kann das Agile Manifest dienen: Auch wenn dieser Handlungsrahmen für agile Teams ursprünglich für Softwareentwickler definiert wurde lassen sich die 12 Grundsätze problemlos auf andere Branchen übertragen (wir haben im Folgenden einige Fachbegriffe aus der Softwarebranche durch allgemeinere Begriffe ersetzt).

  1. Unsere höchste Priorität ist es, den Kunden durch frühe und kontinuierliche Auslieferung hochwertiger Produkte & Dienstleistungen zufrieden zu stellen.
  2. Heiße Anforderungsänderungen, selbst spät in der Entwicklung, willkommen. Agile Prozesse nutzen Veränderungen zum Wettbewerbsvorteil des Kunden.
  3. Liefere funktionierende Produkte & Dienstleistungen regelmäßig innerhalb weniger Wochen oder Monate und bevorzuge dabei die kürzere Zeitspanne.
  4. Fachleute aus verschiedenen Bereichen müssen während des Projekts täglich zusammenarbeiten.
  5. Errichte Projekte rund um motivierte Individuen. Gib ihnen das Umfeld und die Unterstützung die sie benötigen und vertraue darauf, dass sie die Aufgabe erledigen.
  6. Die effizienteste und effektivste Methode, Informationen an ein Team (und innerhalb eines Teams) zu übermitteln, ist die im Gespräch, von Angesicht zu Angesicht.
  7. Funktionierende Dienstleistungen/Produkte sind das wichtigste Fortschrittsmaß.
  8. Agile Prozesse fördern nachhaltige Entwicklung. Die Auftraggeber, das Team und die Nutzer sollten ein gleichmäßiges Tempo auf unbegrenzte Zeit halten können.
  9. Ständiges Augenmerk auf fachliche Exzellenz und gute Gestaltung der Arbeitsabläufe fördert Agilität.
  10. Einfachheit – die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren – ist essenziell.
  11. Die besten Workflows, Anforderungen und Ideen entstehen durch selbstorganisierte Teams.
  12. In regelmäßigen Abständen reflektiert das Team, wie es effektiver werden kann und es passt sein Verhalten entsprechend an.

Die 12 Prinzipien basieren auf 4 agilen Werten   

  1. Individuen und Interaktionen stehen über Prozessen und Werkzeugen
  2. Funktionierende Software steht über einer umfassenden Dokumentation
  3. Zusammenarbeit mit dem Kunden steht über der Vertragsverhandlung
  4. Reagieren auf Veränderung steht über dem Befolgen eines Plans

 
Scrum, Kanban & Co:  Agiles Projektmanagement hat viele Facetten

Beim Stichwort „agil“ denken viele automatisch an Scrum. Aber Agenturen müssen nicht Scrum einsetzen, um agil zu arbeiten. Scrum ist ein Vorgehensmodell, das bestimmte Rollen, Regeln und Abläufe definiert.
Agilität ist ein Verhaltenskodex und eine Unternehmenskultur, die völlig unabhängig von Scrum ist.
Oder anders formuliert: Scrum ohne Agilität funktioniert nicht. Agilität ohne Scrum hingegen sehr wohl.

Viele agile Digitalagenturen arbeiten im Projektmanagement mit Scrum, andere nutzen lieber Kanban oder wenden für kreative Prozesse ausgewählte Innovationstools wie Design Thinking oder Design Sprints an. Im Zentrum agiler Agenturen stehen stabile, selbstorganisierte Teams, die harmonisch kommunizieren, Probleme eigenverantwortlich identifizieren und passende Lösungen finden.

Welche Projektmanagement-Methode und welche agilen Tools genutzt werden ist zweitrangig und von Agentur zu Agentur verschieden. Ganz generell geben die meisten Agilitätspioniere den Tipp, sich nicht in Regelwerken zu verlieren, sondern mutig zu starten und Prozesse bei Bedarf an die eigene Agentur anzupassen.

Echte Agilität ist mehr als nur eine Methode

Nur weil Projektmanager plötzlich Scrum Master oder Product Owner heißen und das große Arbeitspaket in kurze Sprints verpackt wird, sind nicht von heute auf morgen alle Probleme und Schwächen des traditionellen Projektmanagements gelöst.
Im Unternehmen und bei jedem einzelnen Mitarbeiter muss ein Umdenken einsetzen. Fehlt das agile Mindset werden agile Prozesse scheitern. Das „Umschalten“ auf Selbstorganisation und Eigenverantwortung beispielsweise fällt nicht allen Mitarbeitern gleich leicht. Auch im Management ist das Loslassen von Verantwortung und der Kontrollverlust häufig ein schwieriger Prozess.
Fehler als Lern-Chance zu verstehen und transparent mit Schwächen umzugehen ist ebenfalls eine typische Hürde der agilen Transformation. Weitere Stolperfallen können agile Angebote und Pricing-Modelle darstellen, vor allem wenn es ein „Agilitätsgefälle“ zwischen Kunde und Agentur gibt. Angebote zu formulieren (und zu unterschreiben), die nicht auf fixen Lastenheften, sondern auf Schätzungen beruhen, fällt erfahrungsgemäß anfangs beiden Seiten schwer.

Haben Sie Fragen zu diesem Ansatz? Kontaktieren Sie uns!

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Martin Roxlau

Director Sales and Business Development

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