Wohlfühlfaktor | Produkte für eine bessere Lebensqualität. Osudio und Saint-Gobain

Interview | Wohlfühlfaktor: Produkte für eine bessere Lebensqualität

13. Oktober 2017

Nadine Pelzer, The Group of Analysts, im Gespräch mit

Ron Kessels

E-Business-Direktor der Saint-Gobain Distribution Benelux,
über die Vorteile der Digitalisierung

 

Ihre beispiellose Schubkraft zeigt die Digitalisierung spätestens, seit sie traditionelle Industriezweige durchdringt und deren Abläufe neu strukturiert. Ron Kessels, E-Business-Direktor der Saint-Gobain Distribution Benelux erklärt uns, warum sein Unternehmen und dessen Kunden von der Digitalisierung profitieren und wie überholte Prozesse sinnvoll erneuert werden.

 

Ihre Produkte tragen wesentlich zum Wohlergehen jedes Einzelnen bei. Bitte erzählen Sie uns kurz von Ihren Lösungen und wo diese in unserem täglichen Leben anzutreffen sind.

Saint-Gobain ist ein großer Konzern mit 180.000 Mitarbeitern und in drei Sektoren unterteilt. Zwei Sektoren konzentrieren sich auf die Herstellung von Produkten, die zum Wohlbefinden des Einzelnen beitragen und das tägliche Leben verbessern.

Wir alle verbringen fast 90 Prozent unserer Zeit in Gebäuden. Die Materialien, aus denen diese Gebäude bestehen, haben großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen. Diese beiden Sektoren versuchen also, Produkte zu kreieren, die sich positiv auf unseren Komfort auswirken. Zum Beispiel produzieren wir Gipskarton oder Wände, die geräuschreduzierend sind und so bessere Arbeitsplätze für die Mitarbeiter bilden.

Ich arbeite für die dritte Division, die Distribution. Wir sind Großhändler und verkaufen Baustoffe vorwiegend an Firmenkunden. Wir handeln mit den Gütern der beiden anderen Sektoren von Saint-Gobain, vertreiben aber auch Materialien von anderen Herstellern, selbst Mitbewerbern von Saint-Gobain. Wir verkaufen all diese Produkte an unsere Kunden und bemühen uns, sie über die Unterschiede zwischen den verfügbaren Materialien zu informieren. Wir helfen dabei, das passende Produkt für das jeweilige Projekt zu wählen.

Wie können mit Ihren Materialien und Lösungen die Herausforderungen des nachhaltigen Bauens bewältigt werden?

Ein großer Teil des globalen Energieverbrauchs entsteht durch Gebäude, also kann man dort viel einsparen. Wir haben ein Label namens GreenWorks entwickelt, mit dessen Hilfe wir die Kunden darüber aufklären, wie nachhaltig ein Produkt ist. Wir vergeben eine objektive Punktzahl für Nachhaltigkeit, die auf drei Phasen basiert. Erstens: Wie nachhaltig ist die Produktion des Produkts, das heißt wie viel Energie wird für die Herstellung gebraucht oder wie sieht beispielsweise der Produktionsprozess aus?

Zweitens: Wie nachhaltig ist das Produkt über seine komplette Lebensdauer hinweg? Darunter fällt der Energieverbrauch genauso wie die Umweltverträglichkeit des Produkts. Und drittens: Kann das Produkt recycelt werden (Cradle-to-Cradle)? Wir geben eine objektive Bewertung dazu ab, anhand derer die Kunden dann entscheiden können, welches Produkt sie verwenden möchten.

Inwiefern haben sich die Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden im Baufachhandel durch das stärkere Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Effizienz und den Klimawandel in den vergangenen Jahren verändert?

Das Baugewerbe wächst wieder nach der großen Krise im Jahr 2009. Seit dieser Krise gab es kaum öffentliche Investitionen, viele Arbeitsplätze sind weggefallen, und diese werden auch nicht neu besetzt, denn kaum ein Student entscheidet sich, Bauarbeiter zu werden. Ein großes Problem ist also, dass es nicht genügend Handwerker gibt, die den Job auch wirklich beherrschen. Der Markt ist somit auf die Kapazität an guten Leuten beschränkt, die vorhanden sind. Als Distributor versuchen wir, unseren Kunden dabei zu helfen, so produktiv wie möglich zu sein. Wir bieten ihnen logistische Lösungen an, damit sie keine Zeit für den Transport der Materialien aus dem Laster in das Gebäude aufbringen, sondern stattdessen die richtigen Produkte am richtigen Platz zur richtigen Zeit vorfinden. Wir nennen das LeanWorks.

Ein weiteres Beispiel ist, dass die meisten Handwerker vom Fach viel Zeit für Berechnungen, Angebote, sowie Vorbereitung der Arbeiten, Bestellung und Planung aufwenden. Zeit, die sie dann nicht haben, um den eigentlichen Job zu machen.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die Kundenbedürfnisse und Anforderungen?

Unsere Kunden sind B2B-Kunden, aber im Privatleben sind sie auch Verbraucher. Und als Konsumenten haben sie perfekte Erfahrungen mit neuen Playern wie beispielsweise bol.com gesammelt. Als Privatkunde sind sie es gewohnt, online zu bestellen und am nächsten Tag beliefert zu werden. Diese Unternehmen setzen den Standard, und unsere Klientel erwartet das gleiche Level an Service von uns.

Wie stellt Saint-Gobain sicher, diesen steigenden Anforderungen gerecht zu werden?

Zuerst schauen wir uns die Einkaufserfahrung unserer Kunden, die sogenannte Customer Journey, an. Dann fragen wir uns, wie wir unsere Kunden auf dieser Customer Journey begleiten können. Dabei ist es keine reine Kaufreise, wir betrachten die Customer Journey als Ganzes, also als eine Reise unseres Kunden, der ein Haus für einen Kunden bauen muss.

Wie sieht bei Ihnen eine erfolgreiche Digital Customer Journey aus?

Der Weg beginnt beim Endverbraucher, der nach einem Fach-Handwerker sucht. Da die meisten Endverbraucher ihre Suche nach einem Profi mittlerweile online starten, ist es für unsere Kunden wichtig, eine professionelle Onlinepräsenz zu haben. Die meisten unserer Klienten hatten keine professionelle Website. So bieten wir oft zunächst eine Website an und pflegen diese dann auch, das heißt wir garantieren, dass der Inhalt immer auf dem neuesten Stand ist.

Wenn der Endverbraucher unseren Kunden gefunden hat, bittet er um Beratung, sie müssen gemeinsam die Optionen für den Bau diskutieren. Hier bieten wir Konfigurations-Tools oder unser GreenWorks-Label an, mit denen unsere Kunden Produkte verkaufen können, die den Bedürfnissen des Endverbrauchers besser entsprechen.

Wenn unser Kunde weiß, was sein Kunde benötigt, muss er für den Endverbraucher ein Angebot erstellen. Dafür bieten wir unserem Kunden ein Tool für Kalkulation und Angebot an, um so schnellstmöglich bei einem Projekt mitbieten zu können. Das Angebots-Tool ist fünfmal schneller, als wenn der Kunde das Angebot auf traditionelle Art und Weise erstellt, weil wir die meisten Arbeiten bereits vordefiniert und einen Hinweis darauf haben, wie viel „Arbeit“ anfällt. Dies hilft unserem Kunden dabei, schneller ein Angebot abzugeben, bei dem er sicher sein kann, dass er nichts vergisst.

Erhält der Kunde dann den Auftrag vom Endverbraucher, kann er das Projekt gleich automatisch in ein LEAN-Planungsinstrument überführen, das wir gemeinsam mit einem Partner entwickelt haben. In diesem Planungswerkzeug kann der Kunde sein Projekt mit allen Unterauftragnehmern verwalten. Basierend auf der Planung wird auch die Lieferung von Baustoffen automatisch organisiert.

Welchen Bedarf an Systemen und Lösungen haben Sie, um die große Fülle an Artikeln, Services und Daten zu verwalten?

Bevor wir all diese großartigen Werkzeuge für unsere Kunden entwickeln konnten, mussten wir erst einmal ein Fundament dafür schaffen. Und das Fundament für alle Tools sind Produktdaten. Als Anbieter kaufen wir Materialien bei mehr als 1.000 verschiedenen Herstellern ein und verkaufen mehr als 200.000 verschiedene Produkte. Für unsere Kunden ist es immens wichtig, all diese Produkte einheitlich vergleichbar zu machen. Also brauchten wir ein System, das in der Lage, war eine Vielzahl von Produkten und Produktinformationen aufzunehmen, ein System, mit dem man Produktdaten leicht anreichern kann und das flexible Import- und Exportfunktionen hat.

Mit welchem Partner haben Sie dahingehend zusammengearbeitet?

Wir haben uns für das PIM-System von Informatica entschieden, und Osudio hat es umgesetzt.

Was waren die Anforderungen an das gemeinsame Projekt? Welche Herausforderungen galt es zu lösen?

Saint-Gobain Distribution Benelux besteht aus sieben verschiedenen Business Units oder Marken. Vor der PIM-Implementierung verwaltete jeder Geschäftsbereich seine Produkt-daten selbst. Jede Division hatte auch ein eigenes ERP-System. 2011 haben wir uns dann entschlossen, ein ERP für alle Business Units zu implementieren, was es zwingend erforderlich machte, nur eine Quelle für Produktdaten zu haben. So haben wir die Produktdaten-Management-Abteilung zentralisiert und den Prozess zur Erstellung von Artikeln geändert. Sie werden nun im PIM erstellt und vom PIM zum ERP übertragen. Alles kommt aus dem PIM. Die größte Her-ausforderung bestand in der Defini-tion eines einzigen Datenmodells, das von allen Business Units genutzt werden konnte und gleichzeitig die Geschäftsprozesse zwischen den einzelnen Bereichen aneinander anpasste.

Welche weiteren Schritte im Rahmen der Digitalisierung sind in Planung?

Heutzutage sehen wir, dass Endverbraucher sich nicht darüber im Klaren sind, welche Auswahl sie bei einem Bauprojekt haben. Das liegt daran, dass die meisten Verbraucher ein solches Projekt nur einmal im Leben durchführen, also keine Erfahrung darin haben und nicht wissen, was sie erwartet. Wir möchten eine Plattform schaffen, auf der wir Verbraucher beraten, wie sie die richtigen Entscheidungen für ihre Bauprojekte treffen. Hierbei geht es um Produkte, aber auch alternative Anwendungen oder Nachhaltigkeit. Wir wollen ihnen bei ihrem Projekt helfen, damit es zum Erfolg statt zum Frust führt.

 

Ron Kessels

Als E-Business-Direktor ist Ron Kessels verantwortlich für das Digital Excellence Center von Saint-Gobain Distribu-tion Benelux. Saint-Gobain Distribution Benelux ist Teil des französischen multinationalen Saint-Gobain. Mit insgesamt rund 1.250 Mitarbeitern, verteilt auf sieben Geschäftseinheiten und 53 Filialen, gehören sie zu den führenden Anbietern von Baustoffen für die professionelle Bauindustrie in den Benelux-Ländern.

 

Hersteller

Osudio unterstützt seine Kunden, ihre B2B- und B2C-Kunden im Rahmen eines nahtlosen Kauferlebnisses über alle Vertriebskanäle hinweg zu erreichen. Durch das langjährige Know-how im Produktinformationsmanagement (PIM) gestaltet Osudio die richtigen Grundlagen für eine Omnichannel-Präsenz, die auch Print mit einschließt. So entsteht eine E-Commerce-Lösung, die das optimale Markenerlebnis schafft und dadurch Umsatzsteigerungen ermöglicht.

 

KUNDE

Saint-Gobain Building Distribution NL BV

info@saint-gobain.com

Saint-Gobain

 

Dieser Artikel wurde am 12.10.2017 auf thegroupofanalysts.com veröffentlicht, Picture credit: Matelly/Getty Images.


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