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Ecommerce, SAP Commerce Cloud • 10 Minuten Lesedauer

SAP Commerce Cloud endlich in der Cloud

Igor Keshishian | 03-11-2020

Viele sprechen heutzutage über SAP Customer Experience (SAP CX), womit sie aber im Wesentlichen die SAP Commerce Cloud und weitere, in der Suite enthaltene, Produkte meinen. Einige Nutzer wissen auch, dass es zwei Versionen der SAP Commerce Cloud gibt: eine in der SAP-Infrastruktur namens CCv1 und eine zweite in der Public Cloud. Weit weniger Anwender wissen, was die aktuelle Version der SAP Commerce Cloud in der Public Cloud, bekannt als CCv2, beinhaltet. Warum hat SAP seine E-Commerce-Cloud-Lösung in die öffentliche Cloud gebracht? Was bringt das? Und wenn sich heute eh fast alles in der Cloud befindet, was macht die SAP Commerce Cloud CCv2 so besonders? Lassen Sie uns das genauer betrachten.

Von "Cloud" zu Cloud

Beginnen wir mit dem, was in der CCv1-Version fehlte. Auch wenn diese Version in der SAP-Infrastruktur als SAP Commerce Cloud bekannt ist und das Wort "Cloud" im Namen trägt, aus den folgenden beiden Gründen war sie nicht einmal eine Cloud-ähnliche Version:

1. Dem Kunden wurden nur 3 oder 4 Umgebungen zur Verfügung gestellt: Standardentwicklung, Staging, Produktion und optional, Qualitätssicherung. Jede Umgebung bestand aus einer Reihe virtueller Maschinen, die von einem der SAP-Rechenzentren mit SAP Hybris Commerce gehostet wurden.

2. Zur Verwaltung dieser Umgebungen wurde dem Kunden ein VPN-Tunnel ohne Zugriff auf Staging und Produktion gewährt. Auf diese hatte nur SAP Zugriff. Während das Erstellen der Pakete in Ihrer Verantwortung lag, war es in diesen Umgebungen nicht möglich, ein Deployment durchzuführen. Für alle Verwaltungsaufgaben musste eine Änderungsanforderung an einen SAP-Devleoper geschickt werden, der jedoch nur innerhalb der normalen Geschäftszeiten zur Verfügung stand. Für « time to market« nicht die beste Voraussetzung!

Die Dinge änderten sich, als SAP im Juni 2018 die SAP Commerce Cloud in die Public Cloud überführte und diesen Umzug CCv2 nannte. Microsoft Azure, einer der führenden Cloud-Anbieter, wurde als Host für die Plattform ausgewählt. Jetzt ist alles, was Sie selbst nicht nur zum Erstellen und Bereitstellen in der Cloud, sondern auch zum Verwalten und Überwachen benötigen, vorhanden. Dies wird über das SAP Commerce Portal ermöglicht. Es dient als Proxy zwischen den Entwicklern und der öffentlichen Cloud.
Um die Rolle des SAP Commerce Portal zu verstehen, werfen wir einen Blick auf einige der neuen CCv2 Eckpfeiler.

Put it into a container

Wie bei der SAP Commerce Cloud in der SAP-Infrastruktur stehen Ihnen drei Umgebungen zur Verfügung: Entwicklung, Bereitstellung und Produktion. Jede Umgebung befindet sich in Microsoft Azure und verfügt über einen eigenen Kubernetes-Cluster, der die Knoten koordiniert. Jeder Knoten ist mit Docker und Kubelet so konfiguriert, dass die vom Build-Prozess der SAP Commerce Cloud erstellten Docker-Images bereitgestellt werden können. Seine Rolle wird in der Aspektkonfiguration definiert, die beim Erstellen verwendet wird. Jeder Aspekt trägt wiederum zur Containerisierung bei, indem die Rollen von SAP Commerce Cloud-Instanzen in einem Kubernetes-Cluster definiert werden. Infolgedessen wird die HAC-Anwendung auf den Knoten mit den Rollen "Backoffice", "Accstorefront" und "BackgroundProcessing" containerisiert, und SmartEdit wird beispielsweise auf Knoten mit den Rollen "Backoffice" und "API" verteilt.

Das SAP Commerce Portal erleichtert die Arbeit mit den verschiedenen Umgebungen. Die Endpunkte mit ihrer Konfiguration, Cloud-Speicherung, Bereitstellungskonfigurationen, Diensten, Snapshots und Überwachung stehen Ihnen zur Verfügung.

Sesam öffne Dich

SAP hat einen langen Weg zurückgelegt, um sich endlich in Industriestandards wie Git zu integrieren, wenn es um die Versionierung von Code geht. SAP hat lange Zeit keine andere Option als die des Schreibens von Code direkt innerhalb des Business-Systems zugelassen. Bedauernswerte ABAP-Programmierer werden auch im 21. Jahrhundert noch immer von den Albträumen der 70er Jahre heimgesucht. Dann kam die Java Netweaver-Plattform, die Anfang der 2000er Jahre veröffentlicht wurde und neue Produkte für das Code-Management brachte. Schließlich ist es noch gar nicht lange her, bis SAP in Open-Source-Versionskontrollsysteme wie Git integriert war.

Die Git-Integration wurde erstmals für die Entwicklung auf SAP HANA eingeführt und schnell an die SAP Commerce Cloud angepasst. Für Entwickler und Integratoren bedeutet dies, dass der Aufbau einer CI-Pipeline (Continuous Integration) nun ein wesentlicher Bestandteil der Plattform ist. SAP Commerce Cloud CCv2 ist direkt mit einem Git-basierten Code-Repository verbunden. Sie müssen lediglich die Adresse im SAP Commerce Cloud Portal angeben und einen öffentlichen SSH-Schlüssel für die Autorisierung in Ihrem Git-Code-Repository festlegen. Sobald dies erledigt ist, müssen Sie nur noch auf die Schaltfläche „In Umgebung bereitstellen“ klicken und die Umgebungs- und Bereitstellungsoptionen auswählen, wenn Sie erstellen und deployen wollen.

Spartacus als Führer der Frontend-Legionen

Es wurde bereits viel über Headless Lösungen, ihre Vorteile und ihre Auswirkungen auf die Technologie und den E-Commerce-Markt gesagt. Das ist jedoch nicht alles, womit die SAP Commerce Cloud CCv2 zu tun hat.

Eine der wichtigsten technologischen Veränderungen in dieser Version ist die Verwendung einer Angular-basierten JavaScript-Storefront namens Spartacus auf Frontend-Ebene. Dies ist eine entkoppelte Open-Source-Storefront, die OCC-APIs (Omni-Commerce Connect) für die Kommunikation mit dem SAP Commerce Cloud-Backend verwendet. Aber keine Sorge für diejenigen unter Ihnen, die sich für SAP-eigene Frontends wie B2C oder B2B Accelerators interessieren - sie sind immer noch im CCv2 vorhanden.
Genau hier kommt Headless ins Spiel - Spartacus entkoppelt sich nur vom Backend-System und ersetzt nicht unbedingt die alten, guten Accelerator! Es wird ein weiterer zusätzlicher Kontaktpunkt erstellt, der auf demselben Backend ausgeführt wird.

Was bringt Spartacus noch? Als SPA (Single-Page Application) entwickelt, d.h. als eine Webanwendung, die nur eine einzelne Seite lädt und dann ihren body durch AJAX-Aufrufe über die REST-API aktualisiert, handelt es sich hier um einen Schritt in Richtung einer PWA (Progressive Web Application), die ein neues Konzept für Frontend-Anwendungen darstellt, die alle Arten von Frontends (Desktop, Mobile, Smart Devices usw.) abdeckt.

Wohin wird es uns bringen?

Für eine führende Rolle im Cloud-Markt unternimmt SAP große Schritte, um die technologische Lücke zu schließen und als ernstzunehmender Wettbewerber gesehen zu werden. Die Cloud-basierten Lösungen florieren und entwickeln sich weiter. Aber es gibt noch genügend Platz für Verbesserungen.
Versuchen wir zusammenzufassen, was von der CCv2 zu erwarten ist:

1. Spartacus soll B2C- und B2B-Accelerator ersetzen. Dies ist beim B2C- Accelerator bereits der Fall, und jetzt arbeitet SAP daran, die B2B-Funktionalität in Spartacus aufzunehmen.

2. Zusammen mit mehr Flexibilität bei Anpassungen sind Verbesserungen in den Erstellungs- und Bereitstellungsprozessen, die viel Zeit in Anspruch nehmen, zu erwarten. Diese Verbesserungen zielen darauf ab, manuelle Vorgänge beim Erstellen einer CI-Pipeline zu vermeiden.

3. Integration mit SAP Commerce Datahub, SAP Cloud Platform Integration, Cloud Platform Extension Factory und der SAP Cloud Plattform selbst, sowie Integration mit SAP S/4HANA.

4. Vereinheitlichung aller SAP-Cloud-Schnittstellen. Mit dieser Vereinheitlichung könnte auch ein Rebranding und Replatforming einhergehen.

Das Wichtigste bei der SAP Commerce Cloud CCv2 ist die Transformation, die Kunden von der Verwaltung komplexer Infrastrukturen mit eigener Entwicklung befreit, und Ihnen die Verwaltung der Implementierung von Business Lösungen mithilfe eines OpenSource-Ansatzes ermöglicht. Wenn Sie also darüber nachdenken, Ihren Benutzern ein besseres Kundenerlebnis zu bieten und Ihre Entwicklung zu flexibilisieren, ist die CCv2 mit Spartacus eine sehr gute Option.

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Igor Keshishian

E-commerce Developer, SQLI

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